Systemisch führen: Wann zählt das Team und wann der Einzelfall

Führungskräfte stehen häufig vor der Frage: Liegt ein Problem an einer Person oder an den Bedingungen im Team? Der systemische Ansatz hilft, vorschnelle Urteile zu vermeiden. Gleichzeitig darf das nicht bedeuten, persönliche Verantwortung ganz auszublenden.
Teams im öffentlichen Dienst
Es gibt Geschichten über den Mitarbeiter, der wegen einer schwachen Leistung oder einer Fehlentscheidung gefeuert wird. Solche Geschichten fwerden nur selten mit dem öffentlichen Dienst verunden. Hier fallen die Führungsentscheidungen eher systemisch.
Der systemische Ansatz betrachtet nicht isoliert den einzelnen Menschen, sondern den Menschen in seiner Umgebung - dem System. Dieselbe Person benimmt sich in verschiedenen Systemen unterschiedlich. Jemand, der im Team fleißig seine Aufgaben erledigt, aber keine Verantwortung übernehmen möchte, leitet einen organisationsübergreifenden Arbeitskreis, was Verantwortung zeigt. Oder jemand, der grundsätzlich gegen neue Projekte ist, ist aktiv in der lokalen Queerinitiative, was viel Veränderungswunsch zeigt.
Führungsstil
Wer das Team nicht betrachtet, neigt zu falschen Schlüssen: Die Person, die keine „Changes“ am Arbeitsplatz mag, wird dann als träge und nicht flexibel genug abgestempelt und von allen Projekten fern gehalten. Einer mangelnde Verantwortungsbereitschaft im Team wird durch ein Verbot des Engagements woanders begegnet. Nach dem Motto: „Woanders übernimmst du so viel Verantwortung, dass es für hier nicht mehr reicht.“
Der systemische Ansatz verändert die Sicht und fragt: „Welche Bedingungen braucht mein Team, damit die Teammitglieder veränderungsbereit sind und Verantwortung übernehmen?“
Eine Führungskraft, die systemisch führt, hat immer im Blick, welche Bedingungen, also Regeln und Abläufe, braucht mein Team, um produktiv im Sinne der Aufgabe zu sein? Das kann hilfreich sein.
Wenn man konsequent ausschließlich systemisch führt, dann gibt es überhaupt keine persönliche Verantwortung: Eine Vielzahl grundlegender Bedienungsfragen kommt im Support an, also müssen besser auffindbare, gute Bedienungsanleitungen angeboten werden.
Ein Teammitglied ist dadurch aufgefallen, im Homeoffice nicht erreichbar zu sein, anhand der Ergebnisse liegt es nahe, dass das Teammitglied nicht arbeitet. Also wird im ganzen Team Homeoffice verboten. Während im ersten Fall die Anpassung im System vermutlich Abhilfe schafft, muss es uns nicht zu wundern, dass im zweiten Fall bald immer weniger Verantwortung im Team übernommen wird. Statt der neuen Regel für alle, wäre eine Beschäftigung mit der Person, die wenig leistet, notwendig.
Mensch im Mittelpunkt
Es ist eine Führungsaufgabe herauszufinden, ob eine aktuelle persönliche Belastung vorliegt oder vorhandene Freiheiten geziel ausgenutzt werden und gezielt Maßnahmen ergreifen. Das erfordert persönliche Konfrontation und Konsequenzen. Insbesondere, wenn man meist „durch Regeln führt“, kann dieser Schritt herausfordernd sein. Eine Reflexion des eigenen Führungsverhaltens kann Klarheit schaffen.
Teamentwicklung
Bei einem Team, das nicht so arbeitet, wie gewünscht, lohnt es sich zu reflektieren, welche Regeln und Abläufe sind nützlich und welche schwächen das Team, zum Beispiel weil Freiheitsgrade für kreative anspruchsvolle Lösungen fehlen.
Ob eigenes Führungsverhalten oder ein Neustart für ein müdes Team, es lohnt sich immer wieder zu reflektieren. Wenn Sie mögen, freue ich mich darauf, Sie auf Ihrem Weg zu begleiten – mit professionellem Fokus, klarem Blick und ganzem Herz.
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