Teamentwicklung, Coaching, Expertise||4 Min. Lesezeit

Systemisches Coaching und Expertenberatung: Wie eigene Lösungen entstehen

Systemisches Coaching und Expertenberatung: Wie eigene Lösungen entstehen

Systemisches Coaching und fachliche Expertise können sehr gut zusammenwirken, wenn klar bleibt: Die Lösung entsteht bei den Klienten selbst. Gerade in größeren Organisationen, in Hochschulen, in der öffentlichen Verwaltung und bei komplexen Transformationsprozessen wie Digitalisierung kann diese Kombination besonders hilfreich sein.

„Aber ich will das nicht so machen!“ war der Start einer Diskussion mit einer meiner Töchter, von der meine Oma lachend behauptete „in ihr lebt der Geist des Widerstands“.

„Erst lernst du es nach Regeln zu machen, und wenn du die Regeln wirklich verstanden hast, dann darfst du sie wohl überlegt brechen.“ Ob es bei der Diskussion um das T-Shirt für die Schule oder um die schriftliche Division ging, weiß ich nicht mehr. Diese Art von Diskussionen waren so alltäglich, dass ich sie vergessen hatte, bis am letzten Tag des Coaching-Lehrgangs meine wunderbare Ausbilderin Elke Sieger sagte: „Das darfst du machen. Ich habe bis jetzt auf die ‚reine‘ Form bestanden, damit ihr sie als Haltung lernt. Ein ‚OK‘ beim Klient holen und dann darfst du deine Erfahrung teilen.“

Worum geht es? Zum Ausbildungsabschluss hatten wir Live-Coachings, die beobachtet und reflektiert werden. Mich hat ein Klient ausgewählt, der „IT im öffentlichen Dienst macht“. Vermutlich wegen der ähnlichen Berufserfahrung.

Als er sein Anliegen schilderte, konnte ich das Erzählte so gut nachvollziehen, dass ich ihm einiges aus meiner Erfahrung als Rat unbedingt mitgeben wollte. Das durften wir im Coachinglehrgang nicht, da das Expertenberatung ist und mit Coaching wenig zu tun hat.

Was ist Coaching?

Beim reinen Coaching bin ich als Coach verantwortlich für den Prozess. Also was wann wie gemacht wird und welche Fragen gerade hilfreich und nützlich sind. Die Klienten sind jeweils die Expert:innen für ihr Anliegen.“Ergebnisorientierte Selbstreflexion“ ist die prägnanteste Definition eines Coachingprozesses.

Der Klient oder die Klientin bekommt Begleitung und den Raum, um die am besten passende Lösung zu finden. Dahinter steckt eine besondere Haltung: Respekt vor der Wirklichkeit und Persönlichkeit des Klienten/der Klientin und Vertrauen darauf, dass die selbst entwickelte Lösung am besten passt und am leichtesten umzusetzen ist.

Das heißt auch, dass der Coach keine Ahnung von dem Umfeld oder fachliche Expertise zum Inhalt des Anliegens haben muss, um den Klienten gut begleiten zu können.

Sehr eindrucksvoll war ein Live-Coaching während der Ausbildung mit einem verdeckten Thema. Ich in der Rolle der Klientin habe nicht gesagt, worum es ging. Unsere wundervolle Elke konnte mich zu einer Entscheidung, die ich davor nicht fällen konnte, durchleiten zu meiner ganz eigenen Entscheidung. Es klingt wenig glaubhaft, wenn man das nicht selbst erlebt hat.

Expertise einbringen

Nach all diesen Ausführungen stellt sich die Frage, wozu denn dann die Spezialisierung? Wieso Digitalisierung und Transformation an Hochschulen und im öffentlichen Dienst? Die Antwort hat zwei Aspekte. Beim reinen Coaching ist es einfacher, wenn man dieselbe Sprache spricht. Im Abschluss-Live-Coaching haben wir uns über Anforderungsmanagement und Projektstrukturen mit diffusen Verantwortlichkeiten unterhalten, dies ist im Nachgang als „Fachsimpeln“ benannt worden. Das hatte ich so gar nicht wahrgenommen, denn das, was für uns alltäglich ist, kann für Menschen mit anderem beruflichen Hintergrund als fremd und unverständlich wirken.

Der größere Vorteil ist: es ist selten reines Coaching. Ich kann meine Erfahrungen und Ideen einbringen. Nicht als Ratschlag: „machen Sie das doch mal mit SCRUM“, sondern als Impuls auf dem Weg zur eigenen Lösung. Der Klient sucht sich aus, ob der Impuls hilfreich ist und weiter gedacht werden soll, oder ob er ihn vorbeiziehen lässt, um seinem Weg zu folgen.

Meine Expertise habe ich als Blumenstrauß mit, die Klienten können sich aussuchen, ob sie eine, einige oder auch gar keine Blume daraus ziehen.

Als Coach habe ich Methoden mit, damit Sie oder Ihr Team den eigenen Blumenstrauß zusammenstellen. Ich begleite Sie gern wie immer – mit professionellem Fokus, klarem Blick und ganzem Herz.

#Teamentwicklung#Coaching#Expertise
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Autor

Ingrid Bohr

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