Passende Aufgaben: Stärken richtig einsetzen

In einem gut funktionierenden Team übernehmen Teammitglieder Aufgaben, die zu ihren Fähigkeiten passen. Häufig zeigt sich das daran, dass die Arbeit Spaß macht und der Beitrag zum gemeinsamen Ergebnis erkennbar ist. Wie sich Personen im Berufsleben entwickeln, ist sehr individuell und der passende nächste Schritt ist nicht für alle derselbe, führt nicht automatisch zur Führungsverantwortung oder einer sichtbareren Rolle.
Welche Aufgabe passt zu mir?
Ich erinnere mich, als für eine besonders gute Leistung mein Teamleiter mir versprochen hatte, bei der nächsten freiwerdenden Stelle in der Frontendentwicklung mir diese Aufgabe zu übertragen. Diese Aufgaben waren begehrt: man hatte direkt das Ergebnis der Arbeit vor Augen.
Mich hatte das damals nicht interessiert. Für mich geschah das Spannende dort, wo Daten verarbeitet wurden. In einem Softwarehaus, dessen Hauptprodukt Unternehmenssoftware ist, gab es dafür mehr als genug anspruchsvolle Aufgaben.
Mein Teamleiter war überrascht. Als er mich fragte, welche Aufgabe ich stattdessen gern übernehmen würde, übertrug er mir direkt eine – für mich - spannende Aufgabe, für die es sonst keine Freiwilligen gab.
Wenn Entwicklung im bestehenden Team nicht möglich ist
Es gibt auch Situationen, in denen sich ein Entwicklungswunsch innerhalb der Abteilung nicht verwirklichen lässt. Als Abteilungsleiterin führte ich einmal ein Personalentwicklungsgespräch mit einem Mitarbeiter, der ganz klar wusste, wohin er sich entwickeln wollte.
Ich musste sagen, dass dieser Weg in unserer Abteilung nicht möglich sein würde. Die Aufgaben der Abteilung ließen dafür keinen Spielraum. Während mein Kopf an Möglichkeiten für einen Kompromiss arbeitete, sagte der Mitarbeiter, dann müsse er sich einen neuen Job suchen. Das klang sachlich und bot eine Lösung.
„Dann musst du dir einen neuen Job suchen“, antwortete ich. Einige Monaten später lag seine Kündigung auf meinem Schreibtisch.
Ich war überrascht, wie einfach wir zu diesem Punkt gekommen waren, einvernehmlich und ohne Drama. Eine Lösung, bei der sich keiner verbiegen musste. Entwicklung kann bedeuten, Aufgaben neu zuzuschneiden. Sie kann aber auch bedeuten, anzuerkennen, dass ein anderer Arbeitsplatz besser passt.
Aufgaben nach Stärken verteilen
Ein weiterer Fall hat meine Sicht auf Führung besonders geprägt. Ein Mitarbeiter betreute sehr zuverlässig einige laufende Systeme. Seine Arbeit trug entscheidend dazu bei, dass wir ein großes Umstellungsprojekt ohne Datenverluste und größere Ausfälle umsetzen konnten. Ich war begeistert, und weil ich selbst gern Projekte mache, schlug ich ihm vor, die Leitung des nächsten Projekts zu übernehmen. Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Nach einiger Zeit fragte er vorsichtig, ob diese Entscheidung noch rückgängig gemacht werden könnte.
Er hatte keinen Spaß an Projekten. Mit der Betreuung der laufenden Systeme war er an genau der richtigen Stelle und unterstützte Projekte bei Bedarf. Für die Projektleitung konnte ich eine Mitarbeiterin gewinnen, die gern diesen auch für sie neuen Schritt machte. Für die betroffenen Mitarbeiter, das Projekt und für das Team war das die bessere Lösung.
Seitdem schaute ich noch genauer, wie sich die Aufgaben so zuschneiden ließen, dass die Mitarbeitenden ihre Stärken einbringen und in ihren Aufgaben aufgehen konnten. Gerade im öffentlichen Dienst ist das nicht immer einfach. Da Stellenbeschreibungen detailliert sind, ist diese Vorgehensweise aufwendig. Die Aufgabenverschiebungen sind nur in einem bestimmten Rahmen möglich und müssen in den Stellenbeschreibungen nachvollzogen werden. Es lohnt sich dennoch.
Was einen guten Aufgabenzuschnitt ausmacht
Bei den Aufgaben begegnet uns häufig eine unsichtbare Hierarchie. Manche Tätigkeiten gelten als prestigeträchtiger, interessanter oder wertvoller. Daraus entsteht schnell die Erwartung, dass alle diese Aufgabenleiter aufsteigen wollen.
Es geht manchmal so weit, dass Menschen meinen eine Aufgabe oder eine Position übernehmen zu müssen, weil das als der nächste logische Schritt erscheint.
Gute Entwicklung braucht keinen normierten Maßstab. Es hilft, nach einem individuellen Aufgabenzuschnitt zu suchen, der zu den Fähigkeiten der Person passt, im Sinne der Aufgabenstellung des Teams nützlich ist und damit durch eigene Wirksamkeit die Leistung des Teams stärkt.
Für Führungskräfte können dabei einige Fragen hilfreich sein:
- Welche Aufgaben geben der Person Energie, werden mit Freude und meist schneller erfüllt?
- Welche Aufgaben werden auf die lange Bank geschoben?
- Was sind die Fähigkeiten eines Teammitglieds und wo können sie am besten eingesetzt werden?
- Ist der nächste gedachte Schritt wirklich passend oder üblich, fördert aber nicht die Potenziale der Person?
- Lassen sich Aufgaben und Rollen neu, passender zu den aktuellen Teammitgliedern zuschneiden?
- Braucht es einen Wechsel innerhalb oder außerhalb der Organisation?
Passende Aufgaben gemeinsam klären
Wenn Aufgaben nicht mehr passen, Unzufriedenheit wächst oder die Zusammenarbeit im Team ins Stocken gerät, lohnt sich ein genauer Blick auf Rollen, Erwartungen und Stärken. Oft lassen sich Aufgaben neu verteilen oder klarer zuschneiden. Manchmal braucht es eine andere Rolle oder ehrliche Trennung – zum Wohl der betroffenen Person und des Teams.
Wenn Sie mögen, unterstütze ich Ihr Team und Sie persönlich und individuell, solche Fragen strukturiert zu klären und einen Aufgabenzuschnitt zu entwickeln, der zu den Menschen und zur Organisation passt - mit professionellem Fokus, klarem Blick und ganzem Herz.
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