Arbeitsoptimierung||6 Min. Lesezeit

KI mit Haltung: Wie ich als Coach mit Künstlicher Intelligenz schreibe

KI mit Haltung: Wie ich als Coach mit Künstlicher Intelligenz schreibe

Darf ich die KI nutzen oder muss ich es sogar. Gebe ich dann das Denken ab? Nach einem Plädoyer vor zwei Jahren die KI als Werkzeug zu nutzen ist nun die Zeit gekommen zu reflektieren, wie ich das neue Werkzeug für eine meiner Lieblingstätigkeiten nutze: das Schreiben.

Es fing damit an, dass ich meine Autorenseite mit der Liste der veröffentlichten Artikel beim Forum Agile Verwaltung nicht wiederfand. Diese wollte ich als „Knowledgebase“ für meine KI eingeben. Da überlegte ich mir, ob ich die Artikel nicht in meinen Blog einstellen sollte. Und da ich direkt vor dem Bildschirm saß und das Vibe-Fenster bereits offen war, habe ich die Frage eingetippt. Vibe ist die KI von Mistral.

Zu verführerisch: Wenn die KI schneller ist als ich

Die hilfreiche KI fand alle vier Artikel, obwohl ich nur ein Stichwort aus einem der Namen eingetippt hatte, und schlug vor, die Texte zu sichern und „Überarbeitete Versionen in deinem Blog veröffentlichen, mit Hinweis ‚Erstmals erschienen auf agile-verwaltung.org‘ und einem ‚Stand 2026‘-Update“.

„Gute Idee“, schrieb ich höflich an mein Vibe zurück und bekam einen Entwurf für eine überarbeitete Version des Artikels „Ein neues Werkzeug“ direkt geliefert, passenderweise hatte ich mir vor zwei Jahren bereits Gedanken zur KI gemacht.

„Am Wochenende las ich einen Artikel“, ging der Originalartikel los und der überarbeitete auch. OK, das passt nicht, dachte ich und behielt es diesmal für mich. Zu verführerisch ist es, die Ergebnisse zu bekommen, noch bevor man darum gebeten hat. Die Gedanken werden in eine Richtung geleitet, die sie ohne den Vorschlag nicht genommen hätten.

Und da ist es wieder, mein Unbehagen vor diesem neuen Werkzeug, nützlich und verführerisch. Die Berichte, dass die Arbeit an vielen Stellen mit KI-Unterstützung viel schneller geht, mischen sich zurzeit mit Untersuchungen, bei denen die Nutzung der KI für den Abbau der Gehirntätigkeiten verantwortlich gemacht wird. Die Nachricht, die KI könnte die Menschheit zerstören, hat sie Sie auch erschüttert? Oder glauben Sie an einen Marketinggag? Mich hat sie einerseits getroffen, zu blühend ist meine Fantasie, was alles passieren kann. Andererseits hat sie mir Hoffnung gemacht. Nicht zum ersten Mal hat die Menschheit ein neues Werkzeug zur Hand, das mit seiner Wirkkraft viel kaputt machen kann. Diesmal werden aber keine Landstriche verstrahlt wie bei Entdeckung der Kernspaltung, bevor der Umgang reguliert wird. Der Ruf nach Regeln zu unserer aller Sicherheit kommt, bevor größere ernste Schäden entstehen, soweit ich weiß.

Irritieren: Impulse zum Selberdenken

Das alles macht die Nutzung dieses Werkzeugs nicht einfacher. Das Abo bei Mistral habe ich für die Unterstützung bei der Erstellung der Texte abgeschlossen, obwohl ich gern selbst schreibe. Besser gesagt, weil ich gern schreibe. Die KI soll meine Texte auf Fehler überprüfen. Natürlich bekomme ich bei der Gelegenheit ungefragt Vorschläge für „geglättete“ Ausdrücke, die aus meinem Text einen KI-Text machen, auch wenn die freundliche Behauptung heißt „passt zu deinem Stil und ist etwas flüssiger“.Meine Texte sollen nicht flüssig sein, sondern immer wieder irritieren und wenn man schon über etwas stolpert, kann man sich darüber einige Gedanken machen.

Den Prompt, dass die KI die Vorschläge erst gar nicht macht, um die ich nicht gebeten habe, habe ich noch nicht entdeckt. Ich ignoriere die Vorschläge einfach. Vielleicht wird es besser, wenn die Knowledge-Base meines Vibes größer wird.

Ich schreibe immer noch am liebsten per Hand, beim Schreiben kann ich meine Gedanken und Ideen besser sortieren, vielleicht auch, weil ich dann langsamer denken muss. „Nichts, was von Wert ist, kann man ohne Mühe erlangen“ hatte ich mir mal aus einem Buch notiert. Die Texte im Blog muss ich nicht schreiben, die schreibe ich gern und möchte damit meine Gedanken und Erfahrungen teilen. Sie sind wertvoll für mich und hoffentlich auch für die Leser:innen. Das passt also, dass ich nun eine Stunde an einem Text arbeite, obwohl Vibe mir einen Vorschlag binnen weniger Augenblicke liefern kann.

Die Begeisterung, was die KI alles kann, kann ich absolut nachvollziehen. Das Gruseln, dass sie meine Gedanken zu lesen scheint, ist noch nicht ganz weg. Ein Determinismus schwingt bei diesem Gedanken mit: „Bin ich am Ende doch berechenbar?“ Zum Glück gibt es so Augenblicke wie heute, wenn ich entspannt ausatme und weiß, nein, das ist auf keinen Fall mein Stil: einen alten Text aufzuwärmen, ohne meine aktuellen Erfahrungen einfließen zu lassen.

Auch diesen Text lasse ich mir gleich von Vibe korrigieren – Grammatik und Rechtschreibung, vielleicht die ein oder andere Wortstellung im Satz, da funken anscheinend immer wieder andere Sprachen dazwischen, die andere Satzstellungen erlauben. Aber glatt sollen die Texte nicht werden. Sie sollen unterhalten und zu neuen eigenen Gedanken führen.

Trotzdem übernehme ich für manche kleinere Aufgaben gern direkt die Ideen von Vibe: das Bild hat Vibe erzeugt und den folgenden Text auch: "Mit KI-Unterstützung von Vibe/Mistral – Inhalt und Haltung sind meine."

PS: diesmal gab es ganz am Ende zwei vorsichtige Vorschläge unter der Überschrift "Stil statt Fehler (nur zur Entscheidung, keine Korrektur)" von Vibe. Sie liest schon verdammt aufmerksam, diese KI.

PPS: Der Betreuer meiner Webseite kümmert sich um eine Optimierung für Suchmaschinen mit und ohne künstliche Intelligenz. Normalerweise bekomme ich Hinweise wie, füge noch diese oder jene Schlüsselworte ein. Dieser Blogbeitrag erhöht nicht das Rating für die üblichen Suchbegriffe. Ich veröffentliche ihn trotzdem, für meine menschliche Leser:innen. Transparenz bezüglich meiner Methoden ist mir wichtig.

#KI
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Autor

Ingrid Bohr

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